Cuttermaschine SJ 110 ( R 35 ) von Sander & Janzen
Eine wohl einmalige Konstruktion dürfte die von "Sander & Janzen", Berlin, hergestellte Cuttermaschine " SJ 110 " (Rundfunkbezeichnung: " R 35 ") sein. Es sind zwei Laufwerke in einen Gerät vereinigt, um damit eine schnittlose Tonmontage zu ermöglichen. Im Netz als auch in den letzten Buchveröffentlichungen zur Geschichte der Tonbandgeräte in der DDR sind immer nur zwei Fotos zu sehen, die aus dem "Handbuch der Studiotechnik - Ton" (Blaubuch) stammen. Ich konnte jetzt bei I-B eine 16-seitige Broschüre erwerben, die dieses Gerät beschreibt und weitere Fotos beinhaltet.
Hier auszugsweise Text und Fotos: Im Betrieb eines Rundfunkstudios ergab sich immer die Notwendigkeit, aus Bandaufnahmen, z. B. Reportagen, Teile herauszunehmen, um sie auf die für die Sendung notwendige Zeit zu bringen, bzw, Versprecher oder Geräusche zu entfernen. Zu diesem Zweck mußten nach der bis jetzt geübten Art die Originalbänder zerschnitten bzw. die ausgesuchten Teile überspielt werden. Diese so vorbereiteten Bänder wurden dann für die Sendung nochmals überspielt, um ein Band ohne Klebestellen für den Betrieb zur Verrfügung zu haben, damit keine Störungen eintreten konnten.
Durch die in Zusammenarbeit mit dem Betriebslaboratorium für Rundfunk und Fernsehen, Berlin, von uns hergestellte Magnettonanlage für schnittlose Tonmontage SJ 110 ist es möglich, eine intermittierende Überspielung eines Urtextes (Urband) auf ein neues Kopieband mit der gleichen Bandgeschwindigkeit von 76,2 cm/s schnittlos vorzunehmen. Durch diese neuartige Konstruktion und Schaltungsanordnung des Laufwerkes ergibt sich ein bedeutender wirtschaftlicher Nutzen, da nicht nur eine erhebliche Menge Tonband eingespart wird, sondern auch das Urband erhalten bleibt und sofort ein mechanisch einwandfreies Sendeband zur Verfügung steht, da die Klebestreifen entfallen. Nach den vorliegenden Betriebserfahrungen tritt nach der neuen Arbeitsweise eine Reduzierung der Arbeitszeit um 50 % ein. Durch die hier zur Anwendung gekommene Konstruktion wird ein völlig synchroner Lauf beider Bänder (Urband und Kopieband) garantiert, da beide Bänder von der gleichen Tonwelle angetrieben werden. Hierdurch bleibt selbst in der Anlauf- und Bremszeit der Synchronismus errhalten. Dieses Verfahren ermöglicht es, daß einzelne Worte, Silben und sogar Buchstaben überspielt oder ausgelassen werden können. An Stelle des Urbandes ist es auch möglich, von einem anderen Schallträger oder direkt (Mikrofon) Einspielungen vorzunehmen. Das Zweibandlaufwerk SJ 110 für schnittlose Tonmontage ist eine Zusammenfassung von zwei 6,25 mm - Magnetton - Laufwerken auf einer gemeinsamen trapezförmigen Grundplatte. Diese Grundplatte ist nach der Rückseite hin abgesetzt, so daß vorn eine erhöhte Stufe entsteht, auf der die Auf- und Abwickelleller zur Aufnahme eines 1000 m Wickels für das Urband unter- gebracht sind. Auf dem rückwärtigen Teil befinden sich die Auf- und Abwickel- teller (auch für 1000 m Band) für das Kopieband. Auf dem vorderen erhöhten Teil der Grundplatte befinden sich der Betriebsstundenzähler, eine Bandschere zum Schneiden der Vor- und Nachspannbänder, die Aussparungen für den Klebstoffgeber SJ 161 und für den Tastenschalter. Dieser Tastenschalter SJ 113 gestattet folgende Betriebsarten:
Wiedergabe Umschnitt Modulation Kopieband auch bei Halt Rücklauf (Durchgedrückt: schnell) Vorlauf (Durchgedrückt: schnell) Halt ... Das Laufwerk für schnittlose Tonmontage und die für den Betrieb notwendigen Zusatzgeräte sind in einer Truhe SJ 114 gemeinsam untergebracht. Im Mittelteil ist das Laufwerk eingebaut. Im rechten Seitenteil sind Gestellrahmen für den Tonmesser SJ 116, für die beiden Gleichichter SJ 106, sowie ein Reserveeinschubrahmen vorgesehen. Über dem rechten Seitenteil befinden sich die beiden Flachbahnregler SJ 117 sowie der Abhörregler SJ 118 und eine Kassette SJ 119 für weißes Vorspannband. Über dem linken Seitenteil ist eine Kassette SJ 119 für rotes Nachspannband angeordnet. Darunter sind im linken Seitenteil das Klinkenfeld, der Aufsprech- und Wiedergabeverstärker SJ 121, der Studioverstarker SJ 122 und der Wiedergabeverstärker SJ 123 untergebracht. Durch die in den Seitenteilen schwenkbar angebrachten Gestellrahmen sind alle Kabelanschlüsse leicht zugänglich.
Technische Daten:
Tonträgergeschwindigkeit: 76,2 cm/s ± 1‰ bei einer Netzfrequenz von 50 Hz
Frequenzmodulation: ≤ 2‰ bei Störfrequenzen von 1 ... 500 Hz Amplitudemodulation: ≤ 2% Fremdspannungspegel: ≤ -50 db Störfeld: ≤ 50 mG in 10 cm Abstand vom Gerät (in der Betriebsstellung Wiedergabe und Umschnitt)
Bandzug: 60 ... 120 g Gummirollendruck: 3 kg Umspuldauer: 1000 m Band ca. 100 sec.
Abfallverzogerung der Zeitrelais: Regelbereich: ≤ 0,7 ... ≥ 1,2 sec. Einstellbereich: 0,9 ... 1,0 sec.
Tastenhub: 2 mm davon Vorlauf 1 mm davon Nachlauf 1 mm
Tastendruck : bis zur Kontaktgabe 200 ... 250 g bis zum Anschlag 400 ... 500 g
Daten der Stromversorgung: Netzspannung 220 V, 50 Hz Gleichspannung 70 V aus 2 Netzgleichrichtern (N 38a / SJ 106) getrennt für Urband- und Kopiebandteil
Leistungsaufnahme: "Halt" 180 W, 186 VA "Betrieb" 220 W, 230 VA
kurzzeitige Spitzen "im Anlauf" 290 W, 300 VA "bei Bremsung" 400 W, 400 VA
Gewicht: ca. 325 kg ( ! )
Maße der Truhe: Breite 1960 mm Höhe 1000 mm Tiefe 800 mm
Soweit die Auszüge. Hier noch ein Foto aus einer anderen Quelle: